CARLO-MIERENDORFF-DIALOG 2026

Demokratie im Stresstest

Herausforderungen verstehen – Zukunft gestalten

Augenscheinlich hat die Erosion der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unserer Gesellschaft weiter Fahrt aufgenommen. Sind die wachsende Konjunktur der AfD und der in Europa beobachtbare Aufschwung nationalistischer Politik Ausdruck einer Krise der Demokratie insgesamt? Welche Rolle spielt dabei das Bildungssystem? Wo sind die Ursprünge für diese Entwicklungen, wo liegt die Rolle von NPO, zu denen auch die verfassten Kirchen sich zählen können, inwiefern beeinflussen soziale Medien das gesellschaftliche Mindset und was können einzelne Menschen zu einem produktiven Diskurs und der Entwicklung unserer Gesellschaft beitragen, wenn so vieles inzwischen diffus und surreal erscheint? Wie kann Sicherheit in Europa gewährleistet werden, angesichts der aktuellen geopolitischen Entwicklungen? Kurzum: Was ist in den Bereichen Religion, Bildung, Ökonomie und Politik notwendig, um die Resilienz der freiheitlich-demokratischen Ordnung für die Zukunft zu stärken? Diesen Fragen wollen wir nachgehen mit unserer Reihe. Dabei sollen neben politikwissenschaftlichen und demokratietheoretischen Perspektiven auch juristische, sicherheitspolitische, soziologische und theologische Fragen eine Rolle spielen. Es geht darum, Hintergründe der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen auszuloten und diskursiv nach Möglichkeiten zu suchen, wie ihnen begegnet werden kann, individuell und institutionell.

Unsere Referenten

27.10.2026
18:30-20:30

Das Offene Haus
Rheinstraße 31
Darmstadt

Wie tief steckt die Demokratie in der Krise?

Prof. Dr. Christian Stecker, Darmstadt

Christian Stecker leitet seit August 2021 den Arbeitsbereich „Politisches System Deutschlands und Vergleich politischer Systeme“. In seiner Forschung beschäftigt er sich u.a. mit Fragen des Designs von Demokratien, Eigenarten föderaler Systeme, der Funktionsweise von Minderheitsregierung und dem Effekt des Populismus auf die Parlamente. Am 26. Februar 2026 erschien sein Buch „Ohne Koalitionskorsett und Brandmauern. Wie flexible Mehrheiten die Demokratie stärken“ im Campus Verlag. Er kritisiert darin die Praxis, Mehrheitskoalitionen mit Einigungszwang zu bilden und die Opposition ritualisiert auszuschließen. Stecker zufolge passte diese Art der Mehrheitsbildung über Jahrzehnte gut zur Konfliktstruktur der Bundesrepublik, ist in einem fragmentierten Parteiensystem aber nun mit zahlreichen normativen und strategischen Nachteilen verbunden.

03.11.2026
18:30-20:30

Das Offene Haus
Rheinstraße 31
Darmstadt

Politische Willensbildung in der Demokratie – Verfassungsrechtliche Vergewisserungen.

Prof. Dr. Hans-Detlef Horn, Marburg

Prof. Dr. iur. Dr. h. c. Hans-Detlef Horn (geb. 1960) wurde 1989 promoviert und habilitierte sich 1998, beides an der Universität Bayreuth. Seit 1. Oktober 1999 lehrt er an der Philipps-Universität Marburg Öffentliches Recht. Die Forschungsinteressen von Prof. Dr. Horn liegen sowohl in den Bereichen des Staats- und Verfassungsrechts als auch aufden Gebietendes Verwaltungsrechts sowie des Europa- und Völkerrechts. Wiederkehrende Schwerpunkte bilden dabei sowohl grund-legende als auch aktuelle Fragen an die Verfassungsgrundsätze von Rechtsstaat und Demokratie im nationalen, europäischen und internationalen Rechtsrahmen.

10.11.2026
18:30-20:30

Das Offene Haus
Rheinstraße 31
Darmstadt

Freiheit und Sicherheit: Was bedeuten die geopolitischen Entwicklungen für die Stabilität europäischer Werte?

Dr. Jana Puglierin, Berlin

Dr. Jana Puglierin ist seit Januar 2020 Senior Policy Fellow am European Council on Foreign Relations (ECFR) und Leiterin des Berliner Büros.
Seit Juni 2022 ist sie Mitglied und stellvertretende Sprecherin des Beirats der Bundesakademie für Sicherheitspolitik. Außerdem ist sie Mitglied im Vorstand der Europäischen Bewegung Deutschland und im Vorstand der Deutschen Atlantischen Gesellschaft.
Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die deutsche und europäische Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie die Rolle Deutschlands in Europa und die transatlantischen Beziehungen. In ihrem 2026 erschienenen Buch „Wer verteidigt Europa“ führt sie die Bedrohungen vor Augen, denen Europa unter verschiedenen Bedingungen ausgesetzt ist.

17.11.2026
18:30-20:30

Das Offene Haus
Rheinstraße 31
Darmstadt

Die Lüge der Chancengleichheit: Klassismus, Bildungsgerechtigkeit und die Krise des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Ramona Wuttig, Erfurt

Ramona Wuttig (geb. 1991) ist Soziologin (M.A.) mit einem Abschluss in Psychologie (B.Sc.), Autorin und Speakerin aus Erfurt. Als Expertin für soziale Ungleichheit und Klassismus schlägt sie die Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis. Im September erschien ihr erstes Buch „Aller Aufstieg ist schwer. Arm, Ostdeutsch, Arbeiterkind – Die Lüge von der Chancengleichheit“ beim Rowohlt-Verlag. Weiterhin betreibt sie den Podcast „Klasse trifft Gesellschaft“, bei dem sie mit Menschen über das Thema soziale Gerechtigkeit spricht. In den sozialen Medien betreibt sie auf Instagram/TikTok den account klasse.gesellschaft und macht dort vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrungen auf die Grenzen der Chancengleichheit, sowie milieubezogene Vorurteile in unserer Gesellschaft aufmerksam.

24.11.2026
18:30-20:30

Das Offene Haus
Rheinstraße 31
Darmstadt

Christliche Influencer*innen und die neue Rechte: Was kann ein aufgeklärtes Christentum dem entgegenhalten?

PD Dr. Martin Fritz, Berlin

PD Dr. theol. Martin Fritz ist Wissenschaftlicher Referent bei der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) in Berlin.
2009 wurde er an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg promoviert und 2017 an der Augustana-Hochschule Neuendettelsau habilitiert, wo er seitdem als Privatdozent für Systematische Theologie lehrt. Er forschte zu Themen wie „Religiöse Positionierung: Modalitäten und Konstellationen in jüdischen, christlichen und islamischen Kontexten“. Aktuell beschäftigt er sich mit weltanschaulichen Grundsatzfragen, Strömungen des säkularen und religiösenZeitgeistes, Evangelikalismus und pfingstlich-charismatischem Christentum.